Mit dem Übergang in die kalte Jahreszeit rückt ein Getränk in den Fokus, das eine lange kultur- und kulinarhistorische Entwicklung durchlaufen hat: der sagenumwobene Glühwein. Sein charakteristisches Aromenprofil aus erhitztem Wein, Zitruskomponenten und Gewürzen hat sich über Jahrhunderte hinweg stets ein wenig differenziert und prägt heute zuverlässiger denn je zahlreiche regionale und saisonale Winter-Traditionen. Und während andere noch vorglühen, sind echte Genießerinnen und Genießer schon mitten im weihnachtlich-liquiden Winterzauber: dem Glühweinzauber!
Von den Römern bis in die Gegenwart: Aromatisierter, warmer Wein war schon immer beliebt!
Bereits in der römischen Antike wurden Weine mit Honig und Gewürzen aromatisiert, sowohl zur geschmacklichen Verfeinerung als auch zur Haltbarmachung. Im Mittelalter etablierte sich gewürzter Wein – etwa als Hypocras – als Genussmittel der Oberschicht. Einer der früh dokumentierten deutschsprachigen Vorläufer des modernen Glühweins findet sich im 19. Jahrhundert, unter anderem in Aufzeichnungen des sächsischen Adligen August Raugraf von Wackerbarth, der Wein mit exotischen Gewürzen versetzte und erhitzte. Kommerziell verbreitet wurde Glühwein erst Mitte des 20. Jahrhunderts, als Rudolf Kunzmann in Augsburg gewürzten, gesüßten Wein fertig abgefüllt in den Handel brachte und damit den Grundstein für die heutige Massenproduktion legte.
Glühwein, Punsch, Grog?
Glühwein gehört zu einer Gruppe heißer alkoholischer Getränke, die sich klar voneinander abgrenzen lassen. Der Klassiker basiert ausschließlich auf Wein – meist rot, gelegentlich weiß – der mit Gewürzen wie Zimt, Nelken, Sternanis, Zitrusschalen oder Kardamom erhitzt wird. Punsch hingegen nutzt primär Spirituosen wie Rum oder Arrak, kombiniert mit Tee oder Wasser, Zucker sowie Obst oder Fruchtsäften; seine Ursprünge liegen in Indien, von wo aus er über britische Seefahrer nach Europa gelangte. Grog stellt die reduzierteste Form dieser Getränke dar: eine Mischung aus heißem Wasser, Zucker und Rum, entstanden im maritimen Kontext der Royal Navy. Glühwein ist damit weinorientiert und gewürzbetont, Punsch fruchtgetragen und spirituosenbasiert, Grog einfach, hochprozentig und funktional.

In Deutschland haben sich zudem zahlreiche Varianten des Glühweins etabliert. Als regionale Spezialität gilt etwa die „tote Tante“, deren Bezeichnung je nach Herkunft unterschiedlichen Rezepturen zugeordnet wird – überwiegend einer Kombination aus Kakao und Rum, in manchen Regionen jedoch einer besonders gehaltvollen, würzigen Glühweinversion. Darüber hinaus existieren weiße Glühweine, fruchtweinbasierte Varianten oder Winzerinterpretationen mit regionaltypischen Rebsorten. Moderne Rezepturen erweitern das Spektrum durch Aromen wie Vanille, Ingwer oder verschiedene Liköre. Trotz dieser Bandbreite bleibt das Grundprinzip konstant: erhitzter Wein, aromatisiert durch Gewürze und Zitrusbestandteile.
Wir basteln uns eine Glühweinprobe!
Der klassisch rote Glühwein ist Kult. Trotzdem sollte nicht vergessen werden, dass es links und rechts vom Klassiker noch betörende Variationen gibt, die es lohnt, verköstigt zu werden. Am besten in geselliger Runde – vielleicht versammelt um die Feuerschale! Also: Lassen Sie uns gemeinsam „vorglühen“ für eine richtig heiße Glühweinprobe!
Weißer Vanille-Orangen-Glühwein
- 500 ml Orangensaft
- 750 ml trockenen Weißwein
- 1 Stück daumengroßen Ingwer
- 1 Zimtstange (alternativ: 1 – 2 TL gemahlener Zimt)
- 1 Vanilleschote (alternativ: 1 Päckchen Vanillezucker)
- 1 Sternanis
- 5 – 6 Nelken
- 1 – 2 EL Zucker

Alle Zutaten in einem Topf erhitzen und ca. 10-15 Minuten ziehen lassen. Der Glühwein darf dabei nicht kochen. Wer ganze Gewürze verwendet, kann diese beim Abfüllen durch ein Sieb herausfiltern. Den Glühwein heiß servieren!
Apfel-Zimt-Glühwein
- 500 ml Apfelsaft
- 750 ml trockenen Weißwein
- 2 Zimtstangen
- 2 ganze Nelken
- 1 ganze Sternanis
- Optional: 1 – 2 EL Honig
- Den Apfelsaft mit den 2 Zimtstangen in einen Topf geben und 10 Minuten bei geringer Hitze leicht köcheln lassen
- Sternanis und Nelken hinzugeben und weitere 5 Minuten bei geringer Hitze leicht köcheln lassen
- Den Weißwein ebenfalls hinzugeben, den Topf mit einem Deckel verschließen und bei sehr geringer Hitze weitere 10 Minuten bei ca. 70-75° C ziehen lassen. Der Glühwein sollte dabei nicht mehr köcheln, trotzdem aber die Hitze halten. Wer möchte, gibt noch etwas Honig dazu, bis die gewünschte Süße erreicht ist!
Apfel-Cranberry-Glühwein
- 0,75 l Weißwein (z.B. Riesling oder Grauburgunder)
- 0,2 l Apfelsaft
- 0,2 l Cranberrysaft
- 1 EL Honig
- 1 Stange Zimt
- 3 Rosmarinzweige
- 3 ganze Nelken
- 1 Sternanis

Alle Zutaten außer dem Weißwein in einen Topf geben und 10 Minuten bei leichter Hitze köcheln lassen. Den Weißwein dazu geben und wieder erhitzen, aber nicht kochen (max. 75 Grad). Anschließend den Zimt, die Rosmarinzweige, den Sternanis und die Nelken herausnehmen (oder über einem feinen Sieb in Tassen bzw. Flaschen füllen).